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Chronik

Die segensreiche Arbeit von Kinderhort und Kinderkrippe

Was leistet der Hort?

Welche Aufgabe aufgrund allgemeiner rechtlicher Bestimmungen ein Hort zu erfüllen hat, welch dringende Notwendigkeit für solch eine soziale Einrichtung damals in Büchenbach-Nord bestand, wie die praktische Arbeit, der Alltag mit den Kindern, aussieht und welche Probleme bewältigt werden mussten, das kann am besten der langjährige Leiter des Kinderhortes, der Diplom-Sozialpädagoge Frank Steigner, beschreiben:

Rechtliche Grundlagen:

Die Aufgaben und der Auftrag der Hortarbeit sind im Sozialgesetzbuch, dem Kinder- und Jugendhilfegesetz und dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz geregelt.
Tageseinrichtungen sind Einrichtungen, in denen sich Kinder für einen Teil des Tages oder ganztägig aufhalten und in Gruppen gefördert werden.
Tageseinrichtungen für Kinder […] sollen

  • die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern,
  • die Erziehung und Bildung in der Familie unterstützen und ergänzen,
  • den Eltern dabei helfen, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können.

Ausgehend von den rechtlichen Grundlagen sind die Aufgaben der „Institution Hort“:

  • Betreuung, Bildung und Erziehung
  • Elternarbeit und -beratung
  • Ausgleichende Erziehung
  • Persönlichkeitsbildung
  • Ermöglichen von sozialem Lernen in der Gruppe
  • Vermittlung von Lernkompetenzen
  • Integration
  • Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

Eine notwendige Einrichtung für Büchenbach-Nord

Hier bestand ein dringender Bedarf an Hortplätzen, was an den soziologischen Daten der Hortkinder deutlicher wird. So lebt eine große Anzahl von Kindern in Familien, in denen

  • die Mütter bzw. Väter alleinerziehend sind,
  • beide Eltern berufstätig sind,
  • es noch Stiefgeschwister oder -eltern gibt,
  • es drei und mehr Kinder gibt,
  • der Hortbeitrag vom Jugendamt übernommen bzw. bezuschusst wird,
  • die Staatsangehörigkeit der Eltern und die Muttersprache nicht Deutsch ist.

Die Arbeit im Hort

Meine Vorgängerinnen in der Hortleitung Melia Schreck-Deinlein, Renate Schubert, Bärbl Meier, Ulrike Klug und Brigitte Beck haben die Tagesstätte zusammen mit Ingrid Kiesewetter und Kunibert Wittwer aufgebaut. Für uns bedeutet professionelles pädagogisches Arbeiten, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Die Arbeit, ihre Grundlagen und Ziele sind geplant. Es braucht eine klare Erzieherhaltung gegenüber den zu betreuenden Kindern. Der Erzieher/die Erzieherin übernimmt die Rolle eines „Lebensanwaltes“ für die Kinder, indem er/sie sich um die Rechte und Belange der Kinder kümmert und sich dafür einsetzt.

Das Hauptaugenmerk unserer Hortpädagogik lag und liegt auf der Arbeit mit Gruppen. Diese sind altersgemischt, wodurch mehrere Vorteile entstehen:

  • Die Kinder kommen zu unterschiedlichen Zeiten aus der Schule, wodurch „Stoßzeiten“ vermieden werden (auch bei der Hausaufgabenbetreuung).
  • Ältere Kinder können den Jüngeren Hilfe sein (bei Spielen und Hausaufgaben) und so schrittweise Verantwortung übernehmen.
  • Die Gruppensituation entspricht eher den familiären Gegebenheiten, die GruppenerzieherInnen betreuen das Kind mehrere Schuljahre lang.

Jede Gruppe hat ihren eigenen Bereich bestehend aus Garderobe und Toiletten, einem Gruppen-, einem Hausaufgabenraum und einem kleinen abgetrennten Zimmer, für den Rückzug von Kleingruppen. Auch gibt es überall eine Küche bzw. Küchenzeile. Zusätzlich stehen allen Hortkindern gemeinsam einige weitere Räume (z. B. die Turnhalle, der Matten- und der Werkraum, eine große Küche) und ein großzügig gestaltetes Außengelände zur Verfügung.

Das vorrangige Arbeiten mit den Kindern in Gruppen bedeutet, dass jedes Hortkind seiner Gruppe zugeordnet ist und damit auch seinen beiden GruppenerzieherInnen. Diese tragen Sorge für das Gelingen der Entwicklung des Kindes während seines Hortaufenthaltes, indem sie u. a. regelmäßig Kontakt zu seinen Eltern und Lehrern suchen und Beobachtungen über das Verhalten des Kindes in der Einrichtung machen. Nur mit diesem Wissen kann das Hortkind entsprechend seiner Bedürfnisse begleitet und gefördert werden.

Der Alltag im Hort

Um den Hortkindern Zuverlässigkeit und Sicherheit zu vermitteln, verläuft der „Alltag“ im Hort nach bekannten und geplanten Strukturen.

Die Kinder kommen im Normalfall direkt nach der Schule in den Hort. Hier werden sie begrüßt, es besteht die Möglichkeit, sich über den Schulalltag zu unterhalten, manche entspannen sich vielleicht bei einem Spiel. Je nach Schuldauer beginnen Kinder jetzt auch schon mit den Hausaufgaben oder sie essen in der Kleingruppe zu Mittag.

Der Hort soll keine verlängerte Schule und auch kein Paukstudio sein. Trotzdem nimmt der Bereich der Hausaufgabenzeit einen wesentlichen Teil des Nachmittags ein. Hier erhalten die Kinder die Möglichkeit, ihre Hausaufgaben mit Unterstützung der ErzieherInnen bzw. der Kinder untereinander zu erledigen. Bei Fragen und Problemen gibt es angemessene Hilfestellungen. Vor allem Lesen und Nachschriften werden hier geübt. Im Laufe der Zeit sollen die Kinder lernen, dass die eigentliche Verantwortung für die Hausaufgaben bei ihnen selbst liegt.

Als Ausgleich zur Hausaufgabenzeit steht die Freizeitpädagogik, die das Spielerische und Schöpferische beinhaltet, das in keiner Erziehung fehlen darf.

Ein Vorteil für ein Kind im Hort besteht darin, dass es unter den anderen Kindern seiner oder der anderen Gruppen immer jemanden finden wird, der sich für dasselbe Tun interessiert. Auch steht im Hort ein unerschöpflicher Vorrat an Spiel- und Bastelmaterialien bereit, auf den zu Hause keiner zurückgreifen kann. Und eine erwachsene Ansprechperson ist auch immer vorhanden. Während dieser freien Zeit findet z. B. Folgendes statt:

  • freies und angeleitetes Spiel
  • Musik, Sport, Werken, Basteln
  • Anleitung zu selbstständigem Tun für sich und die Gruppe (z. B. Blumendienst)
  • Förderung von Interessen und Fähigkeiten
  • Wecken neuer Interessensgebiete
  • Gemeinschaftsfördernde Verhaltensweisen und Aktivitäten (z. B. Geburtstagsfeiern).

Natürlich greifen auch die Fachkräfte Themen und Ideen aus dem Zeitgeschehen oder der Umgebung der Kinder auf. Im Rahmen der Hortarbeit wurden u. a. schon folgende „Neigungsgruppen“ angeboten: Akrobatik, Ringen, Klettern, Töpfern, Kerzengießen, Holzarbeiten, Backen, Kochen, Erste-Hilfe-Kurs, Singen, Bauchtanzen oder Gartenarbeiten.

Ein wichtiger Bestandteil der Hortwoche ist immer der freie Freitagnachmittag. Die Hausaufgaben können am Wochenende zu Haus gemacht werden – es soll auch einmal ein ganzer Nachmittag für gemeinschaftliches Tun und Unternehmungen zur Verfügung stehen, wie Schwimmbadbesuche, Ausflüge in die Mönau mit Erkundungen von Wald und Weihern, Besuch der Stadtbücherei, Besuch der umliegenden Spielplätze, Sportturniere gegen andere Gruppen oder Einrichtungen, Bowling, Radtouren.

Normalerweise verlassen die Kinder den Hort am Nachmittag gegen 17:00 Uhr. Natürlich kann vom Hort aus der Nachmittagsunterricht an den Schulen besucht werden. Und auch zum Training im Sportverein bzw. zu einem Kurs werden die Kinder rechtzeitig geschickt.

In den Ferien ist der Hort ab 7:30 Uhr geöffnet. Oft wird auch ein spezielles Ferienprogramm angeboten, das zuvor gemeinsam mit den Kindern geplant wird.

Andere Höhepunkte im Jahreslauf sind gemeinsam gestaltete Feste und Feiern, für die schon wochenlang im Voraus geplant und geprobt wird. So gab es ein Sommerfest mit einem eigenen Hortzirkus oder Tanz- und Gesangsauftritte bei Faschingsfeiern.

Probleme und Schwierigkeiten

Das unangepasste Verhalten einzelner Kinder führte immer wieder zu Schwierigkeiten für die Arbeit in den Gruppen. Auch zum Schutz der anderen Kinder in der Gruppe wurde im pädagogischen Team nach Lösungswegen gesucht, es gab Gespräche mit den Eltern und bei Bedarf mit der Schule oder den Mitarbeiterinnen der Erziehungsberatungsstelle der Stadt Erlangen.

Professionelle pädagogische Arbeit bedeutet vor allem professionelles pädagogisches Personal. Zusätzlich zur Leitung waren in allen Hortgruppen jeweils zwei ErzieherInnen als Fachkräfte eingesetzt. Des Weiteren konnten eine Praktikantin in der Ausbildung zur Erzieherin und mehrere Honorarkräfte beschäftigt werden. Dazu kam ausreichend Reinigungspersonal und eine hauswirtschaftliche Kraft, die die Essenszubereitung und den Spüldienst übernahm. Diese gute und sinnvolle Personalausstattung zeichnete unseren Hort aus. Wir konnten unterstützende Förder- und Freizeitprogramme durchführen.

Leider war es aufgrund steigender Kosten und eines Rückganges der Bezuschussung durch das Erzbischöfliche Ordinariat, die Stadt Erlangen und das Land Bayern nicht möglich, die Anzahl der Mitarbeiter zu halten. Im Lauf mehrerer Jahre mussten trotz Beitragserhöhungen Personalstunden reduziert und schließlich die Honorarstellen gestrichen werden. Dessen ungeachtet waren immer alle bemüht, gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen und das Beste aus der jeweiligen Situation herauszuholen. Dafür danke ich allen ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch unserem Träger, der Kirchenverwaltung der Apostelkirche mit dem Vorstand Engelbert Rauh und der Hortbeauftragten Maria Gebhardt. Durch die Bereitschaft all der Genannten war es immer möglich, die Qualität der Arbeit mit den Kindern hochzuhalten.

Letzteres war auch das Ziel aller bisherigen Hortleitungen (Melia Schreck-Deinlein 1982– 1986, Renate Schubert 1986/87, Bärbel Meier 1987-1989, Renate Schubert 1989–1991, Ulrike Klug 1991–1993, Brigitte Beck 1994–1996, Frank Steigner 1996–2003). Und es ist es auch das Ziel der jetzigen Hortleiterin, der Diplom-Sozialpädagogin Brigitte Thorn sowie all ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Trotz knapper werdender finanzieller Mittel konnte der Hort in den letzten Jahren eine immer bessere und attraktivere Ausstattung bekommen. In allen drei Gruppen wurden Küchenzeilen eingebaut. Ferner wurde im Freigelände die Rutsche erneuert und eine Wasseranlage errichtet. Von 1996 bis 1998 erfolgte der Einbau von zweiten Ebenen in den Gruppenräumen 1 bis 3, was den Kindern ideale Spielmöglichkeiten eröffnete. Ebenso großen Anklang fand der Mattenraum zum Austoben auch bei schlechtem Wetter. Im Jahre 2001 wurde eine Kletterwand installiert. All diese Projekte konnten jedoch nur realisiert werden, weil der Förderverein Apostelkirche erhebliche Mittel dafür bereitstellte.

Parallel zu dieser positiven Entwicklung hinterließ der wachsende Sparzwang sichtbare Spuren. Im Jahre 2002 wurde die freigestellte Leiterstelle gestrichen, Honorarkräfte mussten entlassen werden und die Obergrenze der Gruppenstärke in den Gruppen 1 – 3 wurde von 21 auf 25 Kinder herauf gesetzt, wobei allerdings die Kinderzahl vom Buchungsverhalten der Eltern abhängig ist. Erneut wurden Personal und Stunden reduziert und auch die Ferienfreizeit musste fallen gelassen werden.

Der Hort war ursprünglich für drei Gruppen konzipiert gewesen, da jedoch der Bedarf an Hortplätzen für ältere Kinder vorhanden war und zudem im Kellergeschoss des Hortes ausgebaute Räume zur Verfügung standen, wurde im Jahre 1986 eine 4. Gruppe für 15 ältere Jugendliche (5.- 7. Klasse) aufgemacht. Diese Jugendgruppe wurde im Jahre 2006 in eine Gruppe für jüngere Schüler umgewandelt.