Im Frühjahr 1990 richtete die Stadt Erlangen an alle relevanten Organisationen die Anfrage, ob sie im Baugebiet 403, d. h. an der Donato-Polli-Straße, an der Trägerschaft für Kindertagesstätten interessiert wären. Solch eine Anfrage kam auch an die Pfarrei St. Xystus, die sie an die für diesen Sprengel zuständige Apostelkirche weiterleitete. Zur Diskussion standen ein Kindergarten und ein Kinderhort mit je 100 Plätzen sowie eine Kinderkrippe mit 24 Plätzen (später auf 30 bzw. 33 erhöht).
Die noch junge Kirchenverwaltung der Apostelgemeinde als das Gremium, das allein Rechtsgeschäfte abschließen konnte, entschied Ende März, die Betriebsträgerschaft für die zu errichtende Kinderkrippe übernehmen zu wollen. Ausschlaggebend für diesen Entschluss war die Überlegung, dass die Kirche, wenn sie in der heutigen Welt wirken will, sich auch der Probleme von heute annehmen muss. Diese bestanden in Büchenbach-Nord unter anderem in fehlenden Betreuungsplätzen für Kleinkinder. Außerdem wollte die Stadt Erlangen zwei Drittel der Kosten für das pädagogische Personal übernehmen. Gleichzeitig betonte die Kirchenverwaltung, dass sie nur die Betriebsträgerschaft, nicht jedoch die Bauherrschaft anstrebe. Diesem Wunsch kam die Stadt Erlangen insofern entgegen, als sie sich bereit erklärte, sämtliche Gebäude der Kindertagesstätten in Eigenregie zu errichten.
Die damalige Kirchenverwaltung „Zu den Heiligen Aposteln“ und ihr Vorsitzender, Pfarrer Franz Guth, baten deshalb am 27. Juni 1990 das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg um die „stiftungsaufsichtliche Genehmigung“ für die Betriebsträgerschaft einer Kinderkrippe an der Donato-Polli-Straße. Sie begründeten die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung mit „der besonderen Sozialstruktur der Neubaugebiete“. Hier gab es viele alleinerziehende Elternteile, einen überdurchschnittlich hohen Prozentsatz an 0 – 3-jährigen Kindern, zahlreiche sozial schwache Familien, in denen beide Elternteile auf Verdienst angewiesen waren, sowie einen hohen Anteil an ausländischen Mitbürgern.
Die Antwort des Ordinariats auf dieses Gesuch fiel zunächst negativ aus. Die katholische Kirche hätte sich im Bereich der Pfarrei bereits „in einem hohen Maß“ engagiert (Kindergarten in St. Xystus und Kinderhort der Apostelgemeinde). Darauf antwortete Kaplan Wolfgang Schneider, der inzwischen die Gemeinde der Apostelkirche leitete, im Namen der Kirchenverwaltung, dass diese mit der Entscheidung nicht einverstanden sei. Er führte nochmals die besondere Sozialstruktur Büchenbachs an und wies darauf hin, dass man durch die Betriebsträgerschaft einer Krippe mit Eltern in Kontakt käme, was das erklärte Ziel der Seelsorgekonzeption des neuen Pfarrgemeindrates sei. Ferner argumentierte er:
Darüber hinaus ist der Wert einer sozialen Einrichtung nicht nur nach dem messbaren Erfolg für die Gemeindearbeit zu beurteilen, sondern muß sich an dem orientieren, was Menschen benötigen, um ganz oder heil zu werden. Der Auftrag „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein, fragt nicht nach dem Wert für sich und die eigene Gemeinde, sondern nach dem, was es denen bedeutet, für die die Hilfe notwendig ist.
Solche Worte müssen das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg zum Umdenken veranlasst haben, denn am 29. August 1990 kam zwar noch keine endgültige Zusage, aber es wurde der Kirchenverwaltung erlaubt, mit der Stadt Erlangen Verhandlungen aufzunehmen unter Einbeziehung der Erzbischöflichen Rechtsabteilung. Letztere hatte der Kirchenverwaltung geraten, die mietfreie Betriebsträgerschaft für eine voll eingerichtete Krippe anzustreben.
Inzwischen hatte die Kirchenverwaltung „Zu den Heiligen Aposteln“ fachmännische Hilfe auch in Bezug auf das Raumprogramm der Kinderkrippe beim Caritasverband der Erzdiözese Bamberg eingeholt sowie Einnahmen und Ausgaben für den Betrieb schätzen lassen. Das Ergebnis fiel positiv aus und das ermutigte die Kirchenverwaltung, weiterhin mit der Stadt Erlangen im Gespräch zu bleiben.
Im Mai 1991 ging die Stadt daran, einen Architektenwettbewerb für die Kindertagesstätten auszuschreiben. Als Vorgabe machte das Baureferat, dass die Tageseinrichtungen „deutlicher als früher den Kindern Lebensraum in oder in unmittelbarer Nähe der Familie ersetzen sollen.“ Auch sollten „eine stärkere Berücksichtigung von Geborgenheit in Kleingruppen innerhalb der Gesamtgruppe“ und die „Integration von Bewegungsmöglichkeiten im gesamten Tagesablauf“ Eingang in die Pläne finden nach dem Motto „Architektur ist gebaute Pädagogik“.
Der erste Preisträger, der am 10. Oktober 1991 von sechs Fachpreisrichtern gekürt wurde, war Architekt Manfred Heinlein aus Bamberg und Landschaftsarchitekt Harald Braun aus Veitshöchheim. Die räumliche und gestalterische Qualität ihrer Arbeit, so befand das Preisgericht, war „ausgesprochen überzeugend“ und konnte „durchaus eine kindgerechte Atmosphäre entstehen lassen“.
Um die Jahreswende 1991/92 hatte sich jedoch die Haushaltslage der Stadt Erlangen „zunehmend verschlechtert“ und „eine Eigenfinanzierung [der Kindertagesstätten] durch die Stadt war infrage gestellt.“ In einem gemeinsamen Brief an Oberbürgermeister, Bürgermeister und alle Fraktionen des Stadtrates protestierten die evangelische und die katholische Gemeinde von Büchenbach-Nord gegen einen Aufschub des Projekts, da dann „jahrelang Notsituationen in Kauf genommen werden müssten“.
Die Stadt Erlangen versuchte nun, den Bau der Kindertagesstätten durch ein privates Investorenmodell zu realisieren. Weil die Regierung von Mittelfranken jedoch dessen öffentliche Förderfähigkeit infrage stellte, musste erneut beraten und diskutiert werden, was wiederum zu einer Bauverzögerung führte. Erst Ende 1993 lagen bei der Kommune die Voraussetzungen vor, die ca. 12 Millionen DM für Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort finanziell schultern zu können, wobei die Kinderkrippe mit etwa 2,4 Millionen DM zu Buche schlug. Mit dem Bau konnte deshalb im Laufe des Jahres 1994 begonnen werden. Ebenso kam es zu einer Einigung über die Betriebsträgerschaft der Krippe zwischen der Apostelkirche und der Stadt Erlangen:
Unter der Voraussetzung, daß der Betriebsträger die Betriebskosten der Tagesstätte, die Wartung und Instandhaltung der Einrichtung und der Geräte, die Pflege und Wartung der Außenspielflächen und –geräte sowie den Winterdienst in und vor der Einrichtung übernimmt, wird die Einrichtung mietfrei überlassen.
Die Personalkostenförderung von 2/3 der Personalkosten der pädagogischen Fachkräfte kann für die Vertragsdauer von mindestens zehn Jahren erfüllt werden.
Nun ging alles Schlag auf Schlag: Am 16. Mai 1994 wurde mit dem Bau begonnen, am 30. Juni war die Grundsteinlegung, am 28. August stimmte das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg dem Projekt Kinderkrippe stiftungsaufsichtlich zu, am 22. September wurde von Vertretern der Kirchenverwaltung „Zu den Hl. Aposteln“ der Vertrag mit der Stadt Erlangen unterzeichnet und am 2. November 1994 konnte das Richtfest gefeiert werden.
In der Zwischenzeit hatte es einige Veränderungen gegeben. Im Sommer 1993 hatte Pastoralreferent Engelbert Rauh die Gemeindeleitung der Apostelkirche übernommen und auch beim Baukonzept gab es so manche andere Lösung, wobei das ursprüngliche Bauprogramm jedoch beibehalten wurde. Es beinhaltete für die drei Gruppen der Kinderkrippe je einen Gruppenraum á 35 qm und einen Ruheraum von 20 qm. Ferner sollte es einen Pflegeraum, Toiletten, einen Mehrzweckraum, ein Leiterinnenzimmer, einen Personalraum, eine Teeküche, Abstell- und Putzräume geben. Die Gruppen- und Ruheräume wurden von der Ost- auf die Westseite, also zum Hof hin, verlegt und die Ruheräume den jeweiligen Gruppenräumen zugeordnet. Auch eine kleine Teeküche konnte in den Gruppenräumen untergebracht werden und im Eingangsbereich gab es einen Abstellplatz für Kinderwagen. Weiterhin stattete die Stadt Erlangen die Kinderkrippe nicht mit einer kompletten Inneneinrichtung aus, sondern übertrug dem Träger diese Aufgabe, für die DM 105.000 zur Verfügung gestellt wurden.
Mit der Einrichtung der Krippe wurde die neue Leiterin, Frau Annelies Dugonitsch, betraut. Ausgebildet als Kindergärtnerin und Horterzieherin hatte sie in öffentlichen und privaten Einrichtungen reichlich Erfahrung gesammelt und war somit bestens für diese Aufgabe gerüstet.
Aufgrund von Bauverzögerungen verschob sich der Übergabezeitpunkt, sodass erst am 5. November 1995 mit einer Gruppe von nur zehn Kindern angefangen werden konnte. Handwerker gingen im Gebäude noch ein und aus, da Restarbeiten erledigt und Baumängel beseitigt werden mussten. Auch die Außenanlagen waren noch nicht fertiggestellt, aber dafür konnten die Kinder stundenlang „Bagger beobachten“, was für sie den Höhepunkt des Tages darstellte.