Am 25. Oktober 1995 trafen sich in der Apostelkirche 25 Gemeindemitglieder, um von Herrn Pastoralreferenten Michael Albrecht Genaueres über ein Hilfsprojekt in Arequipa, Peru, zu erfahren. Konkret ging es um das Haus „Buen Pastor“, das Haus „Zum guten Hirten“, das von Schwester Celina vom Orden „Zum Guten Hirten“ in Arequipa im März 1994 eröffnet worden war. Darin wurden etwa 35 Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren aufgenommen, die kein Zuhause hatten und aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammten. Sie erhielten dort Unterkunft sowie eine Schulausbildung und konnten sich Kenntnisse im Kochen und Nähen erwerben. Mirjam Elsel, eine Theologiestudentin aus unserer Gemeinde, unterstützte damals die Einrichtung im Rahmen eines Praktikums.
Im Januar 1996 bildete sich ein „Freundeskreis Arequipa“ unter der Leitung von Pastoralreferent Michael Albrecht. Der Leitgedanke dabei war, dass nicht nur ein sinnvolles Projekt in der Dritten Welt unterstützt werden sollte, sondern dass die Mitglieder auch über den genauen Verwendungszweck der gespendeten Gelder entscheiden konnten. Es wurde beschlossen, die Anstellung von pädagogischem Personal im Haus „Buen Pastor“ mitzufinanzieren.
Als Ende 1996 die Lebensmittelhilfe des Staates Peru eingeschränkt wurde, galt es, neue Geldquellen zu erschließen, um die Einrichtung am Leben zu erhalten. Allein aus Mitgliedsbeiträgen wäre der monatliche Betrag von 500,- DM nicht aufzubringen gewesen. Mit Hilfe von Spenden und Kollekten gelang dies. Zusätzliche Mittel steuerte bald auch der IKJA bei, der seine Aktion „Schwitzen für Afrika“ in „Schwitzen für Peru“ umwandelte. Ferner geht auch der Erlös der Sternsingeraktionen oft nach Arequipa. Der gesammelte Betrag wird zudem vom Kindermissionswerk in Aachen großzügig aufgestockt, sodass z. B. im Jahr 1998 etwa 5.600,- DM auf das Arequipa–Konto flossen. Auch die Gewinne aus den Fastenessen werden von Zeit zu Zeit für Arequipa verwendet. Deshalb wird seit einigen Jahren neben Eintöpfen auch das peruanische Gericht „papa a la huancayna“ angeboten, Pellkartoffel peruanisch.
Dank solch breit gefächerter Unterstützung konnte das Haus in bewährter Weise, inzwischen unter der Leitung von Schwester Luz, fortgeführt werden. 1998 bewirkte jedoch eine Wirtschafts- und Finanzkrise in Peru, dass staatliche Zuschüsse gekürzt wurden und Aktivitäten im „Buen Pastor“ eingeschränkt werden mussten. Monika Eichinger, eine Studentin aus der Gemeinde St. Xystus, erlebte diesen Rückschlag hautnah bei ihrem Aufenthalt in Arequipa. Zurückgekehrt setzte sie sich dafür ein, das Projekt noch weiter als bisher zu unterstützen. Es wurden dann u. a. gespendete PCs hinübergeschickt, um die Berufschancen der Mädchen zu verbessern.
Im Jahre 2003 veränderten sich die Verhältnisse im Haus „Buen Pastor“ insofern, als der Staat Peru die Kosten für die Schulbildung der Mädchen übernahm, jedoch nicht für ihre Berufsausbildung. Deshalb wurde unsere Hilfe umgeleitet auf die Mädchen, die sich beruflich qualifizieren wollten und die hauptsächlich aus der Bergregion Cotahuasi kamen. Von dort waren sie nämlich von der Schweizer Stiftung „Cristo Obrero“ und ihrer Mitarbeiterin Schwester Clotilda Demund ins Haus „Buen Pastor“ geschickt worden.
Im April 2005 musste Schwester Adela, die vorher ein benachbartes Mädchenheim geführt hatte, die Leitung des Hauses mit den viel älteren und selbstständigeren Mädchen aus Cotahuasi übernehmen. Und das ging nicht gut. Konflikte waren an der Tagesordnung, und als die Lage besonders kritisch wurde, ergriffen Frau Demund und Lena Shimada, eine Praktikantin aus unserer Gemeinde, die Initiative und mieteten ein Haus im Stadtzentrum, um die Cotahuasi-Mädchen darin unterzubringen. Dieses Vorgehen hieß der „Freundeskreis Arequipa“ im Juni 2006 gut, und seither wird von ihm das Wohnheim „Casa Lena“ unterstützt, genannt nach Lena Shimada, deren Engagement damit gewürdigt wurde. 16 Mädchen wohnen inzwischen in diesem Haus, das von einer Erzieherin geleitet wird.
Für die Mitglieder des „Freundeskreises Arequipa“, der nun hauptsächlich von Monika Eichinger geführt wird, war es anfangs enttäuschend, dass das Projekt „Buen Pastor“, das sich doch so viel versprechend angelassen hatte, nicht mehr fortgesetzt werden konnte. Aber inzwischen hat der Kreis gelernt, dass man auch Vertrauen in neue Wege haben kann. Und tatsächlich ermöglicht das Projekt „Casa Lena“ in Zusammenarbeit mit der Schweizer Stiftung „Cristo Obrero“ den Mädchen und jungen Frauen einen Schulabschluss und damit nicht nur die Möglichkeit zur Berufsausbildung, sondern auch zur Persönlichkeitsentwicklung und kulturellen Teilhabe.